Wespen & Hornissen
"Wespen dürfen generell weder getötet noch verletzt oder gefangen werden. Als wild lebende Tiere stehen alle Wespen unter Natur- und Artenschutz. Bestimmte Arten wie die Hornisse genießen sogar einen besonderen Schutzstatus nach dem Bundesnaturschutzgesetz." - ( Bussgeldkatalog.org)
Natürlich kann es vorkommen, dass die Tiere, als zumeist ungebetene Gäste, einen Besuch auf der Terrasse, dem Balkon oder auch in Innenräumen abstatten. Einige nützliche Tipps, wie es das verhindern kann, können Sie
hier nachlesen.
Weitere Informationen zum Thema Wespen & Hornissen hat der
NABU Stadtverband-Aachen zusammengestellt. Diese Informationen können Sie unter vorgenanntem Link abrufen.
Sollten die Tiere Ihr Nest in einem Bereich gebaut haben in dessen unmittelbarer Nähe sich tägliche Aktivitäten nicht vermeiden lassen oder Gefahr für die eigene Gesundheit besteht, so gibt es die Möglichkeit diese Tiere umzusiedeln. Hierzu können Sie sich Hilfe/Unterstützung/Beratung einholen. Im Bereich von Voerde kann
Andreas Thielsch helfen.
Mobil:
(bitte nur zwischen 8-18 Uhr)
Mail:
andreas-thielsch[at]web[dot]de
Befreiungsanträge für Hornissen oder allgemein auch für Fragen zuständig:
untere Naturschutzbehörde Kreis Wesel:
Mail:
hornissen-und-co[at]kreis-wesel[dot]de
Willkommen in der Welt der Wespen
Hier möchte ich im Verlauf die Vespidae, die Faltenwespen und die Vespinae, die Echten Wespen, die als Unterfamilie direkt der Vespidae folgen und gleiche Eigenschaften verzeichnen vorstellen. Die Faltenwespen haben ihren Namen, da diese ihre Flügel in Ruhestellung längs falten können.
In Deutschland gibt es 13 heimische soziale Wespenarten, von denen uns jedoch meist nur eine Handvoll begegnen und nur zwei Arten lästig werden.
Hunderte solitär (also einzeln) lebende Wespenarten wie Grabwespen, Lehm- und Töpferwespen, Blattwespen, Wegwespen und viele viele mehr leben ein einsames Leben, sind teilweise wichtige Bestäuber, kontrollieren Schädlinge und sind überaus friedlich. Meist können ihre Stachel ebenso wie die der solitär lebenden Bienen die menschlichen Haut nicht mal durchstechen.
Die sozialen Faltenwespen differenzieren sich weiter wie folgt:
Eine heimische Hornissenart (Vespa):
Europäische Hornisse (Vespa Crabro)
Diese nach
Bundesnaturschutzgesetz
§ 44 besonders geschützte Art (seit 1987) hat sich in den vergangenen Jahrzehnten etwas erholen können. Ihr Bestand zählt zur Zeit meist als mäßig häufig und nicht mehr gefährdet, trotzdem ist die größte Hornissenart Europas wie viele andere Insekten immer noch bedroht.
Eine "etablierte" Hornissenart:
Die asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax)
Die asiatische Hornisse gilt seit dem 24.03.2025 als "etabliert". Diese Umstufung in der EU Verordnung bedeutet, dass der Versuch gescheitert ist, die Art vollständig in der frühinvasiven Phase auszurotten.
Nun gilt die Art als weit verbreitet, bleibt aber gebietsfremd und invasiv ! - und soll über einen Managementplan weiterhin bekämpft werden, um ihre Ausbreitung weiterhin zu verlangsamen und einzudämmen. Einzeltiere und Nester sollen über das Neobiota Portal des LANUK gemeldet werden. Diese Stelle ist die einzige offizielle Meldeplattform, um die Ausbreitung im Blick zu halten und die Bekämpfung zu organisieren.
LANUK NRW
Drei Arten Kurzkopfwespen (Vespula):
- Gemeine oder auch Gewöhnliche Wespe (Vespula vulgaris)
- Deutsche Wespe (Vespula germanica)
- Rote Wespe (Vespula rufa)
Diese werden oft auch als "Erdwespen" betitelt, weil sie sehr gerne unterirdische Nester anlegen. Präziser ist aber der Ausdruck Dunkelhöhlenbrüter. Klassischer Weise bauen diese Arten in beinahe kompletter Dunkelheit, allerdings gibt es auch seltene Ausnahmen, wie Nester im Schuppen oder Dachvorständen. Die Gemeine und die Deutsche Wespe sind zudem die beiden Arten, die am Kuchentisch oder beim Grillteller gerne vorbei kommen und lästig sein können.
Vier Arten Langkopfwespen (Dolichovespula):
- Mittlere Wespe (Dolichovespula media)
- Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica)
- Waldwespe (Dolichovespula sylvestris)
- Norwegische Wespe (Dolichovespula norwegica)
Mit Langkopfwespen zu leben ist meist unproblematisch. Sie haben kein Interesse an menschlicher Nahrung und werden dem Menschen nicht lästig. Die Mittlere Wespe ist hier besonders zu betrachten, da sie als einzige Art eine reine Freinisterin ist. Ihre Nester hängen der Witterung ausgesetzt in Sträuchern, an Hauswänden oder Fenstern oder frei in Bäumen, könnte daher auch mit der asiatischen Hornisse verwechselt werden. Ihre Nester unterscheiden sich aber deutlich von der Bauweise und vom Lebenszyklus.
Fünf Arten Feldwespen (Polistes):
- Haus Feldwespe (Polistes dominula)
- Heide Feldwespe (Polistes nimpha)
- Berg Feldwespe (Polistes biglumis)
- Zierliche Feldwespe (Polistes bischoffi)
- Polistes gallicus
Die Feldwespen gehören nicht zu den Echten Wespen sondern zu einer Unterfamilie, den Polistinae, werden hier daher nur ganz kurz thematisiert. Auffällig an ihnen ist der sehr schlanke Körper, die stark ausgeprägte Wespentaille, der tropfenförmige Hinterleib und die nach unten hängenden Beine beim Fliegen. Ebenso besitzen die Nester keine Außenhülle, woran sie sofort zu erkennen sind. Sie sind extrem friedlich und man kann mit der Nasenspitze beinahe ins Nest stoßen, ohne angegriffen zu werden. (Bitte nicht ausprobieren) Zu 95% können die Nester und das Volk nach kurzer Beratung vor Ort bleiben.
Lebenszyklus:
Ab April erwachen die Jungköniginnen aus ihrem Winterschlaf, wenn die Temperatur mehrere Tage hintereinander über ~ 10-15°C lagen. Einige früher, andere später. Die ersten Blüten werden angeflogen, um sich zu stärken und zu Kräften zu kommen. Durch den kurzen Leckrüssel, eher eine Zunge, brauchen alle Wespen offenliegende Nektarquellen. Anschließend sucht sie sich einen passenden Platz, um das Nest zu bauen und Herrscherin über ihr eigenes Volk zu werden. In dieser sogenannten solitären Phase ist es am gefährlichsten für das zukünftige Volk. Die Königin erledigt alles alleine: Sammeln von Nestmaterial, Nestbau, Eiablage, jagen von Insekten zum füttern der ersten Larven, wärmen der Larven bei einfallenden Kälteperioden. Länger anhaltende Regenperioden Ende April-Anfang Mai lassen viele Wespennester absterben. Hinzukommt die Usurpation, dass bekämpfen und übernehmen anderer Nester. Manche Königinnen warten und stärken sich, um später ein Nest zu übernehmen anstatt selbst bei Null zu beginnen. Hier kämpfen die Königinnen bis zum Tod. Bei Hornissennestern konnte ich selbst schon vier bis fünf tote Königinnen bergen.

Sobald die ersten Arbeiterinnen nach rund 30 Tagen schlüpfen, beginnt die kooperative Phase und das anfängliche kleine Embryonalnest wächst nun stetig an. Die Königin fliegt teilweise auch noch aus, die Arbeiterinnen übernehmen aber mehr und mehr alle Aufgaben, außer das Eier legen. Von Tischtennisball, über Tennisball, Handball bis hin zu Fussballgröße wächst das Nest in den folgenden Monaten. Dabei kann man oft schon anhand der Farbe und dem Neststandort die Art bestimmen. Da sich einige Arten hier aber auch sehr ähneln, muss immer eine genaue Bestimmung über ein Einzeltier erfolgen.
Mit zunehmenden Arbeiterinnen beginnt die eigentliche soziale Phase des Staates. Jeder kümmert sich um jeden, alle haben ihre Aufgaben, die Königin fliegt nicht mehr aus und konzentriert sich auf die Eiablage, damit das Volk exponentiell wachsen kann.
Bei der Jagd nach Insekten für die Brut und dem Besuchen von Blüten, um die eigene Flugenergie wiederherzustellen, werden viele Pflanzen bestäubt und Schadinsekten gefangen. Die Hauptnahrung besteht meist aus Fliegen, Mücken, Bremsen und Insektenlarven von Schädlingen. Teilweise werden auch Spinnen und Bienen gejagt, bei Hornissen konnte ich schon beobachten wie sie Heuschrecken oder Libellenstücke heim brachten.
Im sozialen Staat gibt es Ammen, die die Brut versorgen, Architektinnen, die das Nest erweitern, Jägerinnen, die Nahrung für die Brut besorgen, Sammlerinnen, die kohlenhydrathaltige Säfte sammeln und im Nest an die Schwestern verteilen (Trophallaxis) und natürlich die Wächterinnen, die das Nest verteidigen. Zur Trophallaxis gehört das allgemeine verpflegen von Schwestern, sowie das Aufnehmen von Speichel der Larven, die ab einem gewissen Stadium Kohlenhydrathaltigen und Eiweißhaltigen Speichel abgeben.
Das alles geschieht meist im geheimen, versteckt vor den Augen des Menschen. Die Pheromone der Königin steuern die Arbeiten und unterdrücken gleichzeitig das Eier legen der Arbeiterinnen. Beim Tod der Königin würden Arbeiterinnen beginnen Eier zu legen, da diese unbefruchtet sind schlüpfen hieraus aber nur noch Drohnen und das Volk wird Drohnenbrütig.
Reproduktionsphase - mit die wichtigste Phase im Wespenjahr. Jetzt werden Großzellen angelegt, unbefruchtete Eier für männliche Geschlechtstiere (Drohnen) und befruchtete Eier für die Jungköniginnen. In dieser Phase reagiert das Volk auf Störungen auch sensibler, da sie ihre Nachkommenschaft beschützen. Bei den Langkopfwespen beginnt diese Phase relativ früh im Jahr, teilweise im Juli oder Anfang August. Langer Kopf, kurzes Leben sagt man in den Beraterkreisen. Die Kurzkopfwespen sowie die europäische Hornisse hingegen leben teilweise bis Oktober - November. Die asiatische Hornisse brütet bis in den Dezember, teilweise sogar noch bis in den Januar.
Als letztes kommt die Absterbephase, sobald die Geschlechtstiere das Nest verlassen haben um sich zu paaren, verkriechen sich die Jungköniginnen zum Überwintern, während das restliche Volk stirbt. Das alte Nest wird im nächsten Jahr nicht wieder verwendet, sollte daneben aber Platz sein, werden diese Stellen sehr gerne genutzt.
Diese faszinierenden Tiere haben leider keine Lobby wie die Honigbiene und werden nicht so positiv gesehen wie Hummeln, da diese dem Menschen auch nie lästig werden. Jeder kennt unangenehme Situationen mit Wespen oder wurde schon gestochen, teilweise "ohne Grund". Dabei sind es nur zwei Arten, die der Mensch meistens kennt.
Das richtige Verhalten in Anwesenheit von Wespen ist dabei relativ einfach - nicht nach ihnen schlagen, nicht anpusten und langsam bewegen. Sollten die Tiere am Gesicht fliegen, mit einer Hand Nase, Mund und andere Gesichtspartien abdecken und mit der anderen Hand langsam die Wespe beiseite schieben. Eine Sprühflasche mit Wasser hilft zudem, da die Tiere durch den Nebel nass werden und sich trocken putzen müssen. Bei größeren geplanten Gartenfeiern ist eine vorzeitige Ablenkfütterung die effektivste Methode, um für einigermaßen Ruhe an den Speisen zu sorgen. Tagsüber einen Teller mit Obst, Trauben und auch Wurst oder ähnliches anbieten und in einer abgelegenen Ecke im Garten platzieren. Das ganze ein paar Tage vor der Feier und währenddessen, dann orientieren sich die Tiere auf das bekannte Futterangebot. Nachts alles reinholen um nicht noch Mäuse und Ratten anzulocken!
Warum die Tiere am Tisch immer so "nervös" und "nervig" wirken und alles anfliegen liegt am Reiz dem die Tiere ausgesetzt sind. Sie riechen alles viel intensiver und sehen alles leicht verschwommen. Durch das hin und her fliegen wird ihre Sicht schärfer und sobald sie mal etwas ausgemacht und gekostet haben, kehren sie bei den nächsten Flügen sehr gezielt hierhin zurück.
Etwas Geduld ist hier das Gebot der Stunde, dann lässt es sich auch mit Wespen gut speisen. Die Deutsche und die Gemeine Wespe zählen mit der asiatischen Hornisse zu den Aas verwertenden Arten. In der Umwelt dienen sie damit auch als Gesundheitspolizei, die tote Tiere verwerten bevor Krankheitserreger sich ausbreiten können. Das tierische Eiweiß wird für die Brut also nicht nur über Insekten erbeutet. Ein gegrilltes Steak wird daher dankend angenommen.
Sollten sie also mal ein Nest im Garten oder am Haus haben und es kommen Fragen oder Zweifel auf, ob eine friedliche Koexistenz über den Sommer möglich ist, fragen sie gerne nach. Als Wespen und Hornissenfachberater stehe ich im Kreis Wesel zur Verfügung, um Beratungen, Nestabsicherungen und Umsiedlungen zu übernehmen. Aufklärende Gespräche reichen meistens schon aus, um mit den oft zutiefst missverstandenen Tieren aber gut auszukommen.
Einzig die asiatische Hornisse sollte gemeldet und beseitigt werden, da diese invasive Art eine zu große Auswirkung auf unser heimisches Ökosystem haben kann. Auch für diese spezielle Art und Bekämpfung bin ich ein Ansprechpartner und entsprechend ausgebildet.
Ihr Berater aus der Nachbarschaft
Andreas Thielsch (Dez. 2025)
Wespen
Im Jahre 2022 hatte die "Gemeine Wespe" dieses Nest in einem Rolladenkasten gebaut.Da sie aber nicht ins Zimmer gelangten und auch sonst niemanden belästigt haben wurde das Nest belassen und im Feb. 2023 entfernt. Dabei entstand dieses Bild.
Die Tiere haben weder am Holz noch am den Rollladenlamellen Schaden angerichtet. Lediglich die Dämmung auf der Unterseite musste erneuert werden, da sie die Hinterlassenschaften der Tiere aufgefangen hat.
(Das Bild wurden uns vom Eigentümer zur Verfügung gestellt.)
Hornissen
Im Jahre 2023 hatten Hornissen dieses Nest unter einem Dach über der obersten Geschossdecke gebaut. Hier bestend die Gefahr, dass die Hinterlassenschaften der Tiere die Deckenplatten aufweichen und dann in den Innenraum durchbrechen.
Da die Tiere aber schon im Dach waren wurde nach einer Beratung bei einer Begehung vor Ort entschieden eine Platte von unten gegen die Decke zu stützen um einen Durchbruch zu verhindern. Im darauf folgenden Frühjahr wurde das Nest entfernt.
Dabei sind diese Bilder entstanden.
Auf eine Umsiedelung der Tiere wurde verzichtet, da von Ihnen keine Gefahr oder Belästigung ausging. Ein Schaden an der Bausubstanz ist nicht entstanden.
Die Kosten für die Renovierung wurden von der Versicherung übernommen.
(Die Bilder wurden uns vom Eigentümer zur Verfügung gestellt.)
Weitere Impressionen von Hornissen.

(Bildquelle: Andreas Thielsch)
